EU AI Act verschoben: was der Digital Omnibus für Marketing-Teams ändert
Der Digital Omnibus verschiebt die Hochrisiko-Pflichten des EU AI Act auf Dezember 2027. Was bleibt, was sich ändert und warum das kein Grund ist, das AI-Inventory liegen zu lassen.
Leistung zum Thema: KI-Readiness & Daten-Strategie
Im November 2025 war absehbar, dass die Umsetzung des EU AI Act nicht im geplanten Takt läuft: zu viele technische Standards und delegierte Rechtsakte fehlten, an denen die Hochrisiko-Regeln hängen. Die Kommission legte den Digital Omnibus vor, ein Paket, das mehrere Digitalgesetze zugleich nachjustiert. Für den AI Act heißt das vor allem eins. Die schärfsten Pflichten kommen später.
Wer die Risiko-Klassen schon kennt, findet den Einstieg in KI-Readiness und Daten-Strategie hier wieder. Wer neu einsteigt, bekommt unten die Kurzfassung.
Was sich geändert hat
Der ursprüngliche Plan sah die Hochrisiko-Pflichten ab dem 2. August 2026 vor (Annex III) und ab dem 2. August 2027 für in regulierte Produkte eingebettete KI (Annex I). Der Omnibus ersetzt den vorher diskutierten bedingten Auslöse-Mechanismus durch feste Daten und schiebt beide nach hinten:
- Annex III (eigenständige Hochrisiko-Systeme): ab dem 2. Dezember 2027.
- Annex I (Hochrisiko-KI in regulierten Produkten): ab dem 2. August 2028.
Dazu kommt eine inhaltliche Ergänzung: ein neues Verbot in Artikel 5 für KI-generierte, nicht einvernehmliche intime Darstellungen und Missbrauchsmaterial. Das betrifft Marketing-Analytics nicht direkt, gehört aber zur Vollständigkeit.
Was unverändert bleibt
Verschoben wurde der Hochrisiko-Teil. Der Rest steht.
- Verbotene Praktiken sind seit Februar 2025 untersagt. Social Scoring, manipulative Subliminal-Techniken, Echtzeit-Biometrie im öffentlichen Raum. Strafrahmen bis 35 Mio. € oder 7 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.
- General-Purpose-AI unterliegt seit August 2025 eigenen Pflichten. Wer GPT, Claude oder Gemini in Tools oder Produkten einsetzt, fällt darunter.
- Transparenzpflichten für die meisten Marketing-Anwendungen bleiben das praktisch relevante Thema. Chatbots, KI-Texte und synthetische Medien müssen für Nutzer erkennbar sein.
Die neue Zeitleiste auf einen Blick
Der Digital Omnibus verschiebt nur den Hochrisiko-Teil. Verbote und GPAI-Pflichten bleiben in Kraft.
- Feb 2025In Kraft
Verbotene Praktiken
In Kraft. Social Scoring, manipulative Techniken, Echtzeit-Biometrie. Strafen bis 35 Mio. € oder 7 %.
- Aug 2025In Kraft
General-Purpose-AI
In Kraft. GPT, Claude, Gemini in Tools oder Produkten fallen unter die GPAI-Pflichten.
- Dez 2027vorher Aug 2026Verschoben
Hochrisiko, Annex III
Verschoben. Eigenständige Hochrisiko-Systeme: Pflichtdokumentation, Konformitätsbewertung, EU-Registrierung.
- Aug 2028vorher Aug 2027Verschoben
Hochrisiko, Annex I
Verschoben. Hochrisiko-KI, eingebettet in regulierte Produkte.
Stand Juni 2026. Politisch beschlossen, noch nicht im EU-Amtsblatt veröffentlicht.
Was das für Marketing-Teams heißt
Aufgeschoben, nicht aufgehoben. Die zusätzliche Zeit ist Vorlauf, kein Anlass, das Thema zu vertagen. Wer Smart Bidding, Predictive Audiences, Lookalike-Audiences oder Attribution-Modelle nutzt, betreibt KI-Systeme im Sinne des Acts. Die Risiko-Klassifizierung entscheidet, welche Pflichten greifen, und die ändert sich durch die Verschiebung nicht.
Klick oder Tab durch die Stufen für Marketing-Beispiele und Pflichten.
Begrenztes Risiko
Pflicht
Transparenzpflicht: User müssen erkennen, dass sie mit AI interagieren. Kennzeichnung von AI-Inhalten.
Marketing-Beispiele
- AI-Chatbot auf der Website
- GenAI-Blog- oder Ad-Texte
- AI-generierte Bilder / Deepfakes
- Emotionserkennung (z. B. für UX-Optimierung)
Stand 2026
Transparenzpflichten ab August 2026. Aktive Aufsicht durch das EU AI Office in DE/AT/FR.
Drei Dinge lohnen sich jetzt, unabhängig von den verschobenen Fristen:
- AI-Inventory. Welche KI-Komponenten stecken im Marketing-Stack, auch die unsichtbaren wie Smart Bidding oder HubSpot AI?
- Risiko-Klassifizierung pro Use-Case. Die meisten Marketing-Setups landen in Minimal oder Limited Risk. Das festzustellen kostet wenig und beendet die Spekulation.
- Transparenz- und Dokumentationspflichten. Die gelten schon heute und sind der häufigste blinde Fleck im Audit.
Der Vorteil der Verschiebung liegt im Tempo, nicht im Umfang. Statt einer Last-Minute-Übung bis August 2026 bleibt Zeit für eine saubere First-Party-Daten-Architektur als Fundament. Genau die braucht jeder KI-Anwendungsfall, der über ein Compliance-Häkchen hinausgeht.
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Gilt der EU AI Act jetzt gar nicht mehr?
Doch. Verschoben wurden nur die Hochrisiko-Pflichten. Die Verbote gelten seit Februar 2025, die GPAI-Pflichten seit August 2025, beide unverändert. Der Act ist in Kraft, nur die schärfsten Teile greifen später.
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Müssen wir bis Dezember 2027 nichts tun?
Doch. Transparenzpflichten und das AI-Inventory sind schon heute relevant, und die Risiko-Klassifizierung ist die Grundlage für alles Weitere. Die Verschiebung verschafft Vorlauf für eine saubere Umsetzung, sie ersetzt sie nicht.
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Ist die Verschiebung schon endgültig?
Stand Juni 2026 ist sie politisch beschlossen, aber noch nicht im EU-Amtsblatt veröffentlicht. Die Fristen gelten als gesetzt, die finale Rechtsfassung kann im Detail abweichen. Vor verbindlichen Entscheidungen sollten Sie den aktuellen Stand rechtlich prüfen lassen.
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Was ist der Digital Omnibus überhaupt?
Ein Gesetzespaket der EU-Kommission von November 2025, das mehrere Digitalgesetze gleichzeitig vereinfacht und entzerrt. Für den AI Act enthält es vor allem die verschobenen Hochrisiko-Fristen und einige inhaltliche Klarstellungen.