Was prüft das Tool?
Fünf Fragen zum Use-Case, genug für eine erste Einordnung in eine der vier Risikoklassen des EU AI Act:
- Bewertet das System Personen, leitet es Emotionen ab, erkennt es Biometrie, erzeugt es Inhalte oder analysiert es Daten ohne Personenbezug?
- Worüber entscheidet das Ergebnis mit: Kredit und Bildung, Beschäftigung, Marketing-Ansprache oder nichts davon?
- In welcher Rolle sind Sie, Anbieter oder Betreiber?
- Merken Nutzer, dass eine KI im Spiel ist?
- Wie bindend ist die Entscheidung?
Am Ende steht die wahrscheinliche Klasse (verboten, Hochrisiko, Transparenzpflicht, minimales Risiko) samt den Pflichten, die daraus folgen.
Die meisten Marketing- und E-Commerce-Setups landen bei Transparenzpflicht oder minimalem Risiko. Hochrisiko heißt Anhang III (Beschäftigung, Kredit, biometrische Identifikation, kritische Infrastruktur) und eine deutlich längere Compliance-Liste.
Ausschlaggebend ist, worüber entschieden wird, nicht die Branche und nicht die Menge der Daten. Ein Lead-Score, der die Reihenfolge im Vertrieb bestimmt, steht nicht in Anhang III. Derselbe Score, der über einen Kreditrahmen mitentscheidet, steht darin.
Rechtsstand August 2026
Die Transparenzpflichten nach Artikel 50 gelten seit dem 2. August 2026. Wer einen Chatbot betreibt oder KI-erzeugte Inhalte veröffentlicht, muss das kenntlich machen. Überwacht wird das in Deutschland von der Bundesnetzagentur, der Bußgeldrahmen liegt bei 15 Mio. € oder 3 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Für Systeme, die vor dem 2. August 2026 schon liefen, greift die maschinenlesbare Kennzeichnung ab dem 2. Dezember 2026.
Die Hochrisiko-Pflichten hat der Digital Omnibus verschoben: Konformitätsbewertung, Risikomanagement, Daten-Governance und menschliche Aufsicht ab dem 2. Dezember 2027 (Anhang III), für KI, die in regulierte Produkte eingebettet ist, ab dem 2. August 2028. Rechtsgrundlage ist Verordnung (EU) 2026/1744, in Kraft seit dem 27. Juli 2026.
Ausführlich stehen beide Themen im Blog: was der Digital Omnibus ändert und was Marketing-Analytics aus dem AI Act lernen muss.
Keine rechtliche Bewertung
Das ist ein technischer Klassifikator auf Basis typischer Nutzungsmuster. Eine vollständige Compliance-Prüfung für ein konkretes System erfordert juristische Begleitung und, bei hohem Risiko, eine formale Konformitätsbewertung nach Art. 43. Der Output hier ist ein Startpunkt, kein Urteil.